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Liz Craft

Between You and Me

Kunstmuseum

Einleitung

Die kalifornische Künstlerin Liz Craft (*1970, Los Angeles, CA, USA) schafft Skulpturen und figurative Installationen, die wie Fragmente im Raum stehen und von Geschichten zu erzählen scheinen, deren träumerische Atmosphäre mit Surrealismus, Feenmärchen oder Drogenhalluzinationen in Verbindung gebracht werden kann. Ihre Formensprache wirkt unmittelbar, wobei sich Techniken und Materialien hierarchielos zusammenfügen und von Stoff, Plastik, Glas, Pappmaché bis zu Kunstharz, Keramik oder Bronze reichen.

Für ihre Kunst schöpft Liz Craft vor allem aus dem Gedankengut der amerikanischen Gegenkultur der 1960er Jahre, dem Psychedelismus und der Popkultur. Sie bedient sich Bildreferenzen aus B-Movies, Western- oder Horrorfilmen, Comics oder der Ästhetik der Kulissen von Vergnügungsparks. Immer wieder hebt die Künstlerin Figuren wie Hexen, Einhörner, Motorradfahrer, Piraten oder den Tod aus ihren Kontexten heraus und zitiert, übertreibt und verdichtet sie in ihren Werken.

Im Ausstellungsraum treten die Werke zueinander in Beziehung und werden zu Akteuren eines Bühnenstücks. Die Blicke ihrer Figuren, die Worte und Gesten konstellieren sich in jeder Präsentation neu und definieren eine andere Erzählung. Die Wandskulpturen der Serie Speech Bubbles, deren Form an Sprechblasen aus Comics oder Sofortnachrichten erinnert, scheinen Gespräche wiederzugeben, die die Werke untereinander führen. Als Werktitel wählt sie schlagkräftige Aussagen: Suck it Hippie! (2017) oder Do You Love Me Now (2019).

Liz Crafts skulpturale Arbeit hat etwas Ausuferndes, wie die Wandarbeit Strange Thing (2018), ein parasitärer Organismus aus elektrischen Schaltkästen und Kabelleitungen, der sich über die Wände ausbreitet und ihre Grenzen auslotet. Ihre Werke erinnern an jene kalifornische Respektlosigkeit, die unter dem Begriff «Too Cool for School» zusammengefasst werden kann. Die Redewendung beschreibt eine Attitüde, die aus amerikanischen Teenagerfilmen stammt und sich auf ein lässiges, aber arrogantes Individuum bezieht, das sich gerne über Regeln und soziale Codes hinwegsetzt.

Raum 1

Heart (1-8), 2021Aluminium, Digitaldruck, Stahlkette / courtesy the artist / Foto: Lea Kunz

Heart (1-8), 2021
Aluminium, Digitaldruck, Stahlkette / courtesy the artist / Foto: Lea Kunz

SG Heart (1-8) (2021) zeigt acht Aluminiumherzen, die Schmuckanhängern ähneln, in die man das Foto eines geliebten Menschen hineinschieben und die man dann zuklappen kann. Im Inneren befinden sich Fotos von Menschen, die du mit Filzstift übermalt und in Zombies verwandelt hast. Wie verknüpfst du Grauen und dieses Symbol der Liebe?

LC Es handelt sich um Polaroidfotos, die meine Tochter gemacht hat. Ich bat sie, ein paar mehr zu machen und beschloss dann, diese zu verwenden. Deshalb sagt man: «Ich will das nicht mehr tun …» Mir gefielen sie, weil das Übermalen etwas ist, das junge Leute heute auch immer noch machen. Wir alle haben das schon einmal auf einem eigenen Foto oder dem einer anderen Person gemacht.

Raum 2

Love-Hate-Relationship, 2017Bemalte Bronze, gefundenes Fahrrad, Schloss /  courtesy the artist / Foto: Lea Kunz

Love-Hate-Relationship, 2017
Bemalte Bronze, gefundenes Fahrrad, Schloss / courtesy the artist / Foto: Lea Kunz

SG Die Wandarbeit Strange Thing (2018) besteht aus einem Schaltkasten und Kabelleitungen, die sich labyrinthisch über die Wände ausbreiten und den üblichen Rahmen sprengen. Wie wichtig ist für dich der Ausstellungsraum, in dem du deine Werke zeigst?

LC Ich denke immer noch wie eine Installationskünstlerin, auch wenn ich mich im Wesentlichen auf Objekte konzentriere. Es gibt viele Arbeiten wie die Sprechblasen und diejenigen, die du in deiner Frage angesprochen hast, bei denen das räumliche Konzept Teil des Werkkonzepts ist. Ich mag es, wenn Kunst die Grenzen der Wirklich-keit sprengt.

SG Strange Thing und Subway Creatures (beide 2018) referenzieren Objekte aus der U-Bahn. Was hat dich an diesen Elementen interessiert?

LC Diese haben sich aus dem Leben in New York und der vielen Zeit ergeben, die ich in der U-Bahn verbracht habe. Mir fiel die veraltete New Yorker Infrastruktur auf. Hunderte sich stapelnder alter Kabel, schichtweise Farbe überall, veraltete Sicherheitsräume, die an die 80er erinnern. Das hinterlässt einen starken Eindruck und man muss zwangsläufig an ein Science-Fiction-Buch denken. In dieser Zeit kam ich auch zum Métal Hurlant*. Auch das waren Kindheitserinnerungen, die durch meinen andauernden Aufenthalt in den U-Bahnen wiederbelebt und von mir aufgegriffen wurden.

* Métal Hurlant war ein französisches Science-Fiction- und Horror-Comicmagazin mit eigenwilligem Stil, das zwischen 1975 und 1987 sowie zwischen 2002 und 2006 im Verlag Les Humanoïdes Associés erschien.

SG Du hast mir erzählt, dass deine Tische mit Fliesenbelag so wie Living on the Edge (2016) aus dem Werk Lazy Lady (2014) entstanden. Wie kam es dazu?

LC Ich machte zuerst die rechteckigen Fliesenstücke und das führte dann zu den Fliesentischen. Die Wandarbeit hat ausgesehen wie eine Tischplatte, also dachte ich, warum nicht eine Tischversion davon machen? Ich war damals nicht ganz glücklich mit dem Rechteck, es sah zu sehr nach einem Gemälde aus. Ich mag es, wenn die Dinge mehr mit dem Leben verbunden sind. Ich fand, dass sich das Rechteck konzeptionell gesehen besser als Tisch eignet. Das veranlasste mich auch dazu, die Sprechblasen zu machen; mir gefiel, dass die Blasen auch Menschen umschlossen, wenn diese in der Nähe standen, oder die Architektur, beispielsweise einen Eingang.

SG Für das 2017 entstandene Werk Love-Hate-Relationship hast du einen alten Fahrradrahmen an einer grossen Penisskulptur angeschlossen. Wie kamst du auf diese Kombination?

LC Sie entstand aus der Beobachtung heraus. Als wir 2016 nach Berlin zogen, fiel mir, während ich mit dem Fahrrad herumfuhr, auf, wie viele Poller es dort gibt, mit denen die Autofahrer*innen von den Gehwegen ferngehalten werden sollen. Diese Metallpfosten
sind überall. Auffallend waren auch die vielen verlassenen Fahrradgerippe. An allem waren sie festgebunden. Ich musste also gar nicht viel tun; die Skulptur war bereits da. Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn sich etwas so leicht zusammenfügt. Nicht immer läuft es so ab.

Raum 3

Bubble with Mushrooms, 2022Keramik, Aluminium / Courtesy the artist and Neue alte Brücke, Frankfurt

Bubble with Mushrooms, 2022
Keramik, Aluminium / Courtesy the artist and Neue alte Brücke, Frankfurt

SG In der Ausstellung begegnen wir zahlreichen Arbeiten aus deiner Serie Speech Bubbles, deren Form an die Umrahmungen von Textelementen erinnert, wie sie in Comics oder SMS Verwendung finden. Sie scheinen sich wie ein Leitmotiv durch deine Arbeiten zu ziehen. Welche Rolle spielen die Speech Bubbles für dich und warum kehren sie immer wieder?

LC Ja, sie sind eine Anspielung auf Comics und Sprechblasen. Mir gefällt, dass nicht wirklich wichtig ist, was sich in einer Sprechblase befindet, die Blase kann für sich stehen und was darin ist, ist zweitranging. Ich habe also viel Freiheit und wenige Einschränkungen. Ich kann an ihnen wie in einer Art automatischem Zeichenprozess arbeiten. Manchmal sind sie klug, manchmal leer, witzig oder abstrakt – das spielt keine Rolle.
Das mag ich daran.
Sie erinnern mich auch ein wenig an Artschwagers blps, die ich auch gut finde.*

* Richard Artschwagers (1923–2013) blps (ausgesprochen «blips») waren einzigartige ovale Formen, die der US-amerikanische Künstler ab den späten 1960er Jahren an verschiedenen Orten des öffentlichen Raums, unter anderem in U-Bahn-Stationen und auf Schornsteinen, platzierte. Seine Absicht war es, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf Oberflächen und Strukturen zu lenken, die normalerweise unbemerkt bleiben.

SG Die Speech Bubbles sind Sprachgefässe, auch wenn du nicht immer Text einfügst, sondern auch Bilder. Welche Bedeutung hat Sprache in deiner Arbeit?

LC Ich arbeite nicht linear … Ich glaube, ich verwende Sprache in den Titeln und schreibe oft hier und da kleine Dinge hin, weil es witzig ist, aber ich benutze Sprache nicht, um eine Arbeit zu erklären, das sicher nicht. Man muss keinen Wandtext lesen, um einen Zugang zu einem Werk zu finden. Wenn man mehr erfahren will, kann man sich selbstverständlich informieren, aber ich glaube, es ist eine sehr visuelle Arbeit, die sich eigentlich nicht auf Sprache stützt. Vielleicht sind all diese Sprachbezüge – wie etwa die Sprechblasen – einfach nur eine Methode, um einen Bezug zu den Vorstellungen herzustellen, die die Leute im Kopf haben.

Raum 4

High Leg, 2015Bronze / Private collection, Switzerland

High Leg, 2015
Bronze / Private collection, Switzerland

SG Du zeigst kleinformatige Skulpturen gemeinsam mit einer Auswahl von Fotografien. Was ist auf dieser Auswahl zu sehen?

LC Die Fotos sind aus einem Buch, das ich gemeinsam mit DoPe Press gemacht habe: My Life in the Sunshine. Ich machte es wie bei einem Sammelbuch, ich druckte Hunderte von Bildern aus und arrangierte sie am Fussboden. Ich wollte versuchen, ein Buch zu machen, das mehr darüber aussagt, wie ich arbeitete und woher die Ideen kommen und mit wem ich zusammen bin. Um ein bisschen mehr Einblick darin zu geben, wie Künstler*innen aus dem Leben heraus ihre Arbeit generieren. Es war auch eine Antwort auf die digitale Welt und Instagram.

SG Der Begriff «Too Cool for School» wurde oft mit deiner Arbeit assoziiert, seit der Autor Dennis Cooper deinen Namen in seinem in den 1990er Jahren publizierten Artikel über Kunstschulen in LA erwähnte. Wie verknüpfst du selbst diesen aus amerikanischen Jugendfilmen stammenden Ausspruch mit deiner künstlerischen Arbeitsweise?

LC Das ist ein lustiger Ausspruch mit vielen verschiedenen Bedeutungen; solche Dinge mag ich natürlich. Er erinnert mich auch an einen Jugendfilm aus den 80ern, vermutlich hat Dennis ihn deshalb verwendet. Ich glaube, er war frech und brachte uns viel Aufmerksamkeit ein. Ich weiss nicht, ob er etwas mit meiner Arbeit zu tun hat. Ob ich glaube, dass ich zu cool bin? Vielleicht dachte ich das. Frag meine früheren Kunsthändler …

SG Du hast an der UCLA (Universität von Kalifornien) studiert. Die Schule war ein pulsierendes und überschäumendes Zentrum für Künstler*innen und die Kunstszene von Los Angeles in den 1990er Jahren. Wie bedeutend war das schulische Umfeld für dich als Künstlerin?

LC Es war sehr wichtig; es gab sehr viele gute Künstler*innen, interessante Ausstellungen und Galerien. Wir hatten wirklich Glück, das ist nicht immer so. Denn es genügt nicht einfach nur, dass gute Kunstschaffende unterrichten, es braucht auch die richtige Chemie, Verwaltung, Konkurrenz durch andere Schulen und unter den Dozent*innen, und natürlich braucht es auch gute Studierende.

Raum 5

4 Clouds with Bottles, 2023Glas, Sand, Spiegel, Farbe, Digitaldruck / Courtesy the artist

4 Clouds with Bottles, 2023
Glas, Sand, Spiegel, Farbe, Digitaldruck / Courtesy the artist

SG 4 Clouds with Bottles (2023) erinnert an das spielerische Kombinieren von Bildern im Surrealismus und ruft unterschiedliche Assoziationen hervor. Augen, die in die Wolke hineinragen, starren berauscht in den Ausstellungsraum. Daneben sehen wir die Arbeit Between You and Me III (2018), die der Ausstellung ihren Namen gab. Sie besteht aus zwei Mündern, die aneinandergekettet sind, was auf mich zugleich vergnüglich und brutal wirkt. Geht es in deinen Arbeiten um die Höhen und Tiefen des menschlichen Daseins?

LC Das trifft vermutlich zu.

Raum 6

Ms. Pac-Man, 2022Mehrfarbige Glasfaser, Samt, Metall / Courtesy the artist and Centre dʼédition contemporaine, Geneva

Ms. Pac-Man, 2022
Mehrfarbige Glasfaser, Samt, Metall / Courtesy the artist and Centre dʼédition contemporaine, Geneva

SG Du interessierst dich für eine grosse Vielfalt an visuellen Bezügen. Was ist der Ausgangspunkt, wenn du ein neues Kunstwerk erschaffst?

LC Als Ausgangspunkt verwende ich gefundene Objekte, gefundene Bilder, gefundene Phrasen … zumindest in der Regel. Darein lasse ich einfliessen, was mich umgibt oder eine Erinnerung, die mir im Gedächtnis haften geblieben ist wie Ms. Pac-Man. Ein anderes Mal folge ich einfach der freien Assoziation, aber ich denke, es gibt eine Art Rahmen, innerhalb dessen ich frei bin, so wie die Sprechblasen.

SG Ms. Pac-Man (2022) ist eine Ansammlung gelber Smileys mit offenstehenden Mündern und rosa Haarschleifen. Die Grimassen kontrastieren mit schwarzen Roben, die die Körper nur andeuten und geisterhaft im Raum stehen. Was hat es mit diesen Figuren auf sich?

LC Ms. Pac-Man ist so ein Bild, das mir im Gedächtnis haften geblieben ist; es ist so wie ein Smiley- und ein Emoji-Gesicht … Mir gefällt, dass sie verrückt aussehen, so als wollten sie einen aufessen. Man kann nicht genau sagen, ob sie sehr, sehr glücklich oder eben durchgeknallt sind. Sie erinnern mich an die Fische im Aquarium meines Kindes. Letzten Winter habe ich viel Zeit damit verbracht, ihnen zuzusehen.

Videoraum

SG Du hast eine Auswahl von Videoarbeiten deiner Künstlerfreund*innen getroffen, die wir in diesem Raum sehen können. Warum hast du dich dafür entschieden, diese Arbeiten zu zeigen?

LC Ich dachte, die Videos von Freund*innen wären eine schöne Ergänzung, ähnlich wie die Seiten aus dem Buch, das ich gemacht habe (Raum 4). Das Buch bezieht sich auf Freunde, Familie, Personen in der Szene, Referenzen usw. Es gibt ein wenig Kontext; Videos, die ich mag, Leute, die ich mag.

Raum 7

Querelle, 2016Bronze, Seil / Courtesy the artist

Querelle, 2016
Bronze, Seil / Courtesy the artist

SG Querelle (2016) ist eine Bronze-skulptur von einem Penis, der sich bildlich in den Raum «ergiesst». Der Penis ist ein weiteres Thema, das häufig in deiner Arbeit vorkommt. Warum verwendest du ihn als Motiv?

LC Weil es Spass macht.

Raum 8

What Is She Thinking?, 2015Keramik, Aluminium / Fonds cantonal dʼart contemporain, Geneva

What Is She Thinking?, 2015
Keramik, Aluminium / Fonds cantonal dʼart contemporain, Geneva

SG Für deine Skulpturen verwendest du Materialien, die von klassischen Materialien wie Bronze über Keramikfliesen bis hin zu weniger haltbaren Komponenten wie Pappmaché oder Kerzen reichen. Manchmal begegnen einem auch gefundene Materialien wie Münzen oder Teile eines alten Fahrrads. Wie wählst du deine Materialien aus?

LC Sie müssen entweder konzeptionell oder aus praktischen Gründen «Sinn ergeben». Wenn ich so etwas scheinbar Widersprüchliches sage, ist das, glaube ich, für die Menschen schwer zu verstehen. Manche verstehen es, glaube ich. Ich habe keine festen Regeln. Ich mache das, was zum jeweiligen Zeitpunkt und für das Werk notwendig ist.

SG Warum hast du Keramik als Material für die Speech Bubbles ausgewählt?

LC Es ist so, als würde ein*e Bildhauer*in zeichnen. Und Ton ist dasselbe Material, das ich auch zum Formen der Skulpturen verwende, es scheint also naheliegend.

SG Neben deinen grösseren Skulp-turen gibt es auch zahlreiche kleinere. Darunter sind Hände, Gesten oder Spinnen. Welche Rolle spielt für dich die Di-mensionalität deiner Skulpturen?

LC Meistens fange ich gross an oder in der Grösse, die ich mir vorstelle, und mache später eine kleinere Version. Ich arbeite rückwärts, glaube ich. Einige wenige beginnen klein, wenn ich faul bin oder kein Geld habe.
Grösse ist für Bildhauer*innen sehr wichtig, die Pony-Skulptur beispielsweise wurde dreimal gemacht, um die richtige Grösse für den Körper des Ponys zu finden.

Raum 9

What Are You Going to Do About It?, 2017 / Go Fuck Yourself, 2017Bronze / Edition 1/3 + II AP / Private collection, UK / Foto: Lea Kunz

What Are You Going to Do About It?, 2017 / Go Fuck Yourself, 2017
Bronze / Edition 1/3 + II AP / Private collection, UK / Foto: Lea Kunz

SG Deine Werktitel sind lustig, prägnant und bissig. Zwei grosse Skulpturen beispielsweise treten über ihren Titel in Dialog miteinander. Die eine fragt: What Are You Going to Do About It? (2017) und erhält von der anderen die trockene Antwort: Go Fuck Yourself (2017). Welche Rolle räumst du den Titeln deiner Werke ein?

LC Seit etwa zehn Jahren, denke ich, interessiere ich mich immer mehr für die Titel. Diese Titel passten besonders gut, sie entsprechen genau den Gesten der Skulpturen. Sie sind ein weiterer Bestandteil der Assemblage.

SG Wie kommst du auf deine Titel?

LC Die Worte sind so wie alles andere auch, es sind meistens gefundene Phrasen …

Raum 10

Spider Ladies (Maggie II), 2015Pappmaché, Kleidung, Wollfäden, Holz / Courtesy the artist

Spider Ladies (Maggie II), 2015
Pappmaché, Kleidung, Wollfäden, Holz / Courtesy the artist

SG Die Marionetten der Spider Ladies (2015) sind grotesk und unheimlich, zugleich aber auch sympathisch und menschlich. Der Mensch in der popkulturellen und urbanen Umgebung steht im Zentrum deiner Arbeit. Wir begegnen Händen, Gesten, Augen, Lippen, Brüsten und Penissen sowie Stimmen. Was interessiert dich als Bildhauerin am menschlichen Körper? Und wie kommt es, dass du häufig nur einzelne Eigenschaften hervorhebst?

LC Das ist eine gute Frage. Ich mache das vermutlich einfach intuitiv.
Ich glaube auch, dass Körperfragmente nicht so ungewöhnlich sind in der Welt.

Raum 11

The Pony, 2004Gebürstetes Aluminium / courtesy the artist / Foto: Lea Kunz

The Pony, 2004
Gebürstetes Aluminium / courtesy the artist / Foto: Lea Kunz

SG Wir begegnen Hexen, Einhörnern, Piraten oder einem Ausserirdischen. Was interessiert dich an diesen Figuren?

LC Viele der Bilder stammen aus der Popkultur, sie gehören niemandem und sind gewissermassen ergebnisoffen, denke ich. Das ist wie ein Material oder eine Farbe und es setzt eine Bewegung oder eine Erzählung in Gang.

SG The Pony (2004) lotet die Grenzen des guten Geschmacks aus. Ist Kitsch wichtig für deine Arbeit?

LC Ja, ich bin eine Studentin der 90er Jahre und war begeistert von Mike Kelly und Jim Shaw. Ich glaube, Geschmack zu benutzen oder den guten Geschmack zu ignorieren, ist Teil der Arbeit. Das gefällt mir auch an Amelie von Wullfens Arbeit.

Bio

Liz Craft (*1970 in Los Angeles, CA, USA, lebt und arbeitet in Berlin, DE), studierte an der Otis Parsons und der University of California, Los Angeles. 2012 gründete Liz Craft gemeinsam mit Pentti Makkonen den unabhängigen Non-Profit-Raum Paradise Garage, der der Präsentation zeitgenössischer Kunstprojekte gewidmet war und sich in der Garage ihres Hauses im kalifornischen Venice befand.

Craft hat international ausgestellt. Ihre Werke befinden sich in der Sammlung des Whitney Museum of American Art, New York; des LACMA; des MOCA und des Hammer Museum, Los Angeles, und des Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich.

Nächste Ausstellung

Impressum

KURATOR*IN
Paul-Aymar Morgue d’Algue und  Stefanie Gschwend

TEAM
Anna Beck-Wörner, Regina Brülisauer, Stefanie Gschwend, Christian Hörler, Christian Meier, Claudia Reeb, Madleina Rutishauser

AUSSTELLUNGSUMBAU
Christian Hörler, Christian Meier mit Ueli Alder, Roswitha Gobbo, Dominik Hull, Carina Kirsch, Niklaus Ulmann

BESUCHER*INNENBETREUUNG
Raphaela Böhi, Dominique Franke, Margrit Gmünder, Roswitha Gobbo, Margrit Küng, Barbara Metzger, Cristina Mosti, Madleina Rutishauser, Melanie Scherrer

TEXT
Stefanie Gschwend, Paul-Aymar Morgue d’Algue

LEKTORAT
Michaela Alex-Eibensteiner

ÜBERSETZUNG
Katja Naumann

COURTESY
Fotos: Lea Kunz

GRAFIK
Data-Orbit / Michel Egger, St.Gallen

DANK
Zora Berweger, Liz Craft, Paul-Aymar Morgue d’Algue, Paul Bernard, Laura Weber, Team Kunsthaus Pasquart / Centre dʼédition contemporaine, Genf, Fonds cantonal dʼart contemporain, Genf, Galerie Loevenbruck, Paris, MAMCO, Genf, Swana Mourgue dʼAlgue, Neue alte Brücke, Frankfurt, Sébastien Peyret, FR, Anne Shelton Aaron und Leihgeber*innen, die nicht namentlich genannt werden möchten

Liz Craft
Between You and Me
Kunstmuseum
Heart (1-8), 2021Aluminium, Digitaldruck, Stahlkette / courtesy the artist / Foto: Lea Kunz

Heart (1-8), 2021
Aluminium, Digitaldruck, Stahlkette / courtesy the artist / Foto: Lea Kunz

Love-Hate-Relationship, 2017Bemalte Bronze, gefundenes Fahrrad, Schloss /  courtesy the artist / Foto: Lea Kunz

Love-Hate-Relationship, 2017
Bemalte Bronze, gefundenes Fahrrad, Schloss / courtesy the artist / Foto: Lea Kunz

Bubble with Mushrooms, 2022Keramik, Aluminium / Courtesy the artist and Neue alte Brücke, Frankfurt

Bubble with Mushrooms, 2022
Keramik, Aluminium / Courtesy the artist and Neue alte Brücke, Frankfurt

High Leg, 2015Bronze / Private collection, Switzerland

High Leg, 2015
Bronze / Private collection, Switzerland

4 Clouds with Bottles, 2023Glas, Sand, Spiegel, Farbe, Digitaldruck / Courtesy the artist

4 Clouds with Bottles, 2023
Glas, Sand, Spiegel, Farbe, Digitaldruck / Courtesy the artist

Ms. Pac-Man, 2022Mehrfarbige Glasfaser, Samt, Metall / Courtesy the artist and Centre dʼédition contemporaine, Geneva

Ms. Pac-Man, 2022
Mehrfarbige Glasfaser, Samt, Metall / Courtesy the artist and Centre dʼédition contemporaine, Geneva

Querelle, 2016Bronze, Seil / Courtesy the artist

Querelle, 2016
Bronze, Seil / Courtesy the artist

What Is She Thinking?, 2015Keramik, Aluminium / Fonds cantonal dʼart contemporain, Geneva

What Is She Thinking?, 2015
Keramik, Aluminium / Fonds cantonal dʼart contemporain, Geneva

What Are You Going to Do About It?, 2017 / Go Fuck Yourself, 2017Bronze / Edition 1/3 + II AP / Private collection, UK / Foto: Lea Kunz

What Are You Going to Do About It?, 2017 / Go Fuck Yourself, 2017
Bronze / Edition 1/3 + II AP / Private collection, UK / Foto: Lea Kunz

Spider Ladies (Maggie II), 2015Pappmaché, Kleidung, Wollfäden, Holz / Courtesy the artist

Spider Ladies (Maggie II), 2015
Pappmaché, Kleidung, Wollfäden, Holz / Courtesy the artist

The Pony, 2004Gebürstetes Aluminium / courtesy the artist / Foto: Lea Kunz

The Pony, 2004
Gebürstetes Aluminium / courtesy the artist / Foto: Lea Kunz

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