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Roman Signer

Filme

Kunsthalle

Einleitung

Das Werk von Roman Signer beschäftigt sich von Anfang an mit flüchtigen Ereignissen und der Freisetzung von provozierten und vorhandenen Energien. Seine Werkmaterialien sind Naturkräfte wie Wasser, Wind, Feuer oder die Gravitation, die er mit Alltagsgegenständen wie Hockern, Eimern, roten Kajaks, farbigen Fässern, ferngesteuerten Flugobjekten oder Regenschirmen in Beziehung setzt und die als Leitmotive im Werk des Künstlers immer wieder auftauchen. Die Verbindung zwischen der sichtbaren Aktion und den unsichtbaren physikalischen Vorgängen verleiht den Skulpturen eine sinnliche und poetische Komponente.

Im Zentrum der Ausstellung Filme steht Roman Signers Arbeit mit dem bewegten Bild, wobei der Schwerpunkt auf Werken liegt, die seit Mitte der 1970er Jahre in und um Appenzell entstanden sind. Es ist die erste Einzelausstellung von Roman Signer in seinem Heimatort Appenzell, die sich mit insgesamt über 120 Filmen über die drei Stockwerke der Kunsthalle und die gesamte Ziegelhütte erstreckt.

Anlässlich der Ausstellung erscheint ein vollständiges Werkverzeichnis der Super-8-Filme im Verlag Walther König, herausgegeben von Peter Zimmermann, Alexandra Signer und Stefanie Gschwend, mit Texten von Roman Signer, Stephan Kunz (Direktor Bündner Kunstmuseum) und Stefanie Gschwend (Direktorin Kunstmuseum / Kunsthalle Appenzell).


Raum 1

Roman Signer, Bogen (1978), Weissbad (AI, CH), Super-8-Film, Kamera: Roman Signer, ©Roman Signer

Roman Signer, Bogen (1978), Weissbad (AI, CH), Super-8-Film, Kamera: Roman Signer, ©Roman Signer


Schon als Kind führte Roman Signer Experimente durch, ohne an Kunst zu denken. Mit jedem Material, das ihm in die Hände fiel, wie alltägliche Gegenstände oder Feuer und Feuerwerke. Aus heutiger Sicht seien das künstlerische Übungen gewesen, sagt er. Die Faszination für Körper, die aus Energie entstehen, fand er in seiner unmittelbaren Umgebung. In der Sitter, dem Fluss, der seinen Heimatort Appenzell durchquert und direkt vor seiner Haustür floss, beim Leuenfall in Schwende-Rüte, wo der Berndlibach tosend aus 34 Metern in die Tiefe stürzt, oder im Glandenstein, am Ende des Weissbachtals, ein wenig abseits, aber vom Weissbad aus in wenigen Minuten erreichbar. Auf den ersten Blick ist dieser letztgenannte Platz eine grosse Wiese, umgeben von Wald, Felsen und dem Weissbach. Der in Appenzell gebräuchliche Ausdruck für diesen Ort ist «das Ende der Welt», was aufgrund der Abgeschiedenheit auch heute noch ein wenig zutrifft. Es ist der Ort, der im Werk von Roman Signer den Anfang markiert.

Fernab von Kunstbetrieb und Ausstellungsräumen führte der Künstler Experimente durch. Inmitten der Natur, die nicht nur Kulisse oder Bühne ist, sondern essenzieller und formbildender Bestandteil der Arbeit selbst. Der Raum im Erdgeschoss bildet die Appenzeller Landschaft, in der Roman Signer ab 1975 bewegte Bilder mit der Super-8-Technik und später mit Videos seiner Ereignisse aufnahm.

Rauchring (1983) ist eine ephemere Spur, die durch die Freisetzung von Energie geformt wird. Im winterlichen Weissbad in Appenzell steckt Signer eine Spraydose in einem Metallrohr in den Schnee und sprengt mit einer Zündkapsel ein kleines Loch in die Dose. Die ausströmenden Treibgase entzünden sich zu einem Feuerball, der in der Eiseskälte blitzschnell aufsteigt und einen grossen, tiefschwarzen Rauchring bildet. Der Ring wirbelt nach oben, bis er sich spurlos in Luft auflöst.

In Linie (1986) legt Signer eine lange Spur aus Schwarzpulver und platziert im letzten Abschnitt einen Hocker. In einem feuerfesten, silbernen Anzug sitzt er auf dem Hocker und hält eine aufgeschlagene Zeitung in den Händen. Das Schwarzpulver wird angezündet und schiesst in einer Linie auf den Künstler zu und über ihn hinaus, wobei die Zeitung verbrennt.

Der Tisch mit Ballonen (1982) wird wie in einer märchenhaften Erzählung von vier Ballons in die Lüfte davongetragen, doch gleichzeitig brennt eine Zündschnur, die zu den Ballons führt. Sie platzen und der Tisch fällt aus den Lüften auf den Boden der Tatsachen zurück. Fliegende Objekte, wie Ballone, Helikopter, Raketen, oder Dinge, die Roman Signer zum Fliegen oder zum Auf- und Absteigen bringt, wie Hocker, Tische und Eimer, sind für die Praxis des Künstlers von Bedeutung. Indem er die Dinge fliegen lässt, schafft er einen temporären Zustand des Unmöglichen.

In Bogen (1978) ist die Kamera auf ein steil ansteigendes Waldstück gerichtet, das von der Lichtung «am Ende der Welt» ausgeht. Es ist eine Aufnahme einer üppig grünen Landschaft, die still zu stehen scheint. Nichts geschieht, aber die Spannung des Bevorstehenden ist präsent. Plötzlich entlädt sich Rauch und breitet sich in der Form eines weiten, nach unten ausladenden Bogens vom linken zum rechten oberen Bildrand aus. Geräuschlos aufgenommen und ohne Spuren in der Landschaft zu hinterlassen, verflüchtigt sich die geometrische Form langsam in die Bäume und die Luft.

Die Schauplätze sind bildhaft und bewusst gewählt. Roman Signer sucht die richtigen Orte für seine Aktionen und erfasst dabei gleichzeitig die Umgebung. Diese dient ihm als Bildraum, in dem Elemente wie Brücken oder Flüsse, die die Landschaft markieren, wiederkehrende Motive in seiner Bildsprache werden.

Am «Ende der Welt» endet auch die Nachtfahrt (1999 / 2025), die als Projektion in einem Piaggio gezeigt wird. Mitten in der Nacht fuhr Roman Signer zusammen mit seiner Frau Aleksandra von St.Gallen nach Weissbad, an den Ort, wo der Künstler schon sehr viele Arbeiten und Versuche gemacht hat. Aleksandra Signer filmte während der ganzen Fahrt vorne durch die Windschutzscheibe. Sie fuhren zuerst auf Strassen und dann auf einem Weg, der am Fluss im Wald endete. Die 40-minütige Fahrt zeigt sinnfällig, dass Signers Wege, trotz internationaler Karriere, immer wieder zurück zu seinem Ur-
sprung führen.

Roman Signer, Tisch mit Ballonen (1982), Weissbad (AI, CH), Super-8-Film, Kamera: Roman Signer, ©Roman Signer

Roman Signer, Tisch mit Ballonen (1982), Weissbad (AI, CH), Super-8-Film, Kamera: Roman Signer, ©Roman Signer

Roman Signer, Bürostuhl (2006), Weissbad (AI, CH), Video, Kamera: Tomasz Rogowiec, Schnitt: Aleksandra Signer ©Roman Signer, photo: Tomasz Rogowiec

Roman Signer, Bürostuhl (2006), Weissbad (AI, CH), Video, Kamera: Tomasz Rogowiec, Schnitt: Aleksandra Signer ©Roman Signer, photo: Tomasz Rogowiec


Auf der Wiese / On the meadow

Regenschirme (2012), Mon voyage à Nantes HAB Galerie, Nantes (F), Kamera: Eric Watt, © Roman Signer

Regenschirme (2012), Mon voyage à Nantes HAB Galerie, Nantes (F), Kamera: Eric Watt, © Roman Signer


Vor der Kunsthalle steht ein Oldtimer. Roman Signer schreibt: «Mit diesem Auto hat es eine besondere Bewandtnis. Es ist ein Warszawa, Baujahr 1959. Mit diesem Wagen wollten wir von Zakopane (PL) nach Nantes (F) fahren, kamen aber nur bis Linz (A), wo er auf einen Anhänger geladen wurde. Denn wir realisierten, dass wir die beim gegebenen Tempo vor uns liegende Strecke vor der Ausstellungseröffnung nicht schaffen würden. Die Aufgabe des Warszawas bestand nämlich darin, die im Boden des Museums steckenden Regenschirme umzufahren. […]» Im Foyer der Kunsthalle ist der Film der Skulptur Regenschirme (2012) zu sehen, welcher im HAB, Hangar à Bananes, Nantes 2012 erstmals umgesetzt wurde.

Vom Ereignis zum Super-8-Film / From action to Super 8 film

Roman Signer, Fensterladen mit Raketen (1992), Weissbad (AI, CH), Super-8-Film, Kamera: Roman Signer, ©Roman Signer, Photo: Stefan Rohner

Roman Signer, Fensterladen mit Raketen (1992), Weissbad (AI, CH), Super-8-Film, Kamera: Roman Signer, ©Roman Signer, Photo: Stefan Rohner

Die mit Präzision geplanten Aktionen, die sich aus der Situation, der Transformation von Energie und dem Prozess zusammensetzen, hält Roman Signer auf Film oder später auf Video fest. Sie gehen weit über eine filmische Dokumentation seiner Aktionen hinaus und werden zum eigenständigen Medium in seinem Schaffen.

Mit der Super-8-Technik fand er eine Kommunikationsmethode, die in ihrer Unmittelbarkeit seine ephemeren Skulpturen zu transportieren vermochte. Die Filme überschreiten selten die Länge einer Super-8-Kassette: In drei Minuten, manchmal in wenigen Sekunden, wird ein skulpturbildender Prozess sichtbar gemacht. Dieses Format mit ihrer flimmernden Bildästhetik und ihren begrenzten technischen Möglichkeiten, eignet sich durch den dynamischen Charakter der Kameraführung besonders, um flüchtige Momente und Handlungsabläufe festzuhalten.

«1975 hatte ich meine erste Ausstellung im Ausland. Das war in Düsseldorf bei Hartmut Kaminski. Er führte dort eine Galerie an der Karolinerstrasse. Er war auch Filmschaffender und hatte die Idee, einen kleinen 16 mm Film über eine Skulptur von mir zu machen (Grosser Tropfen, 1975). […] Ich kaufte eine Super-8-Kamera und einen Projektor und begann selbst mit meinen Filmen. Ich muss sagen, zum Glück begann ich. Es wäre auch gut gewesen, wenn ich früher begonnen hätte. Denn die Arbeit mit den Filmen hat mir einen neuen Blick auf meine Arbeit ermöglicht. […] Ich bin 1975 meistens allein mit dem Velo, mit dem Zug und dem Postauto in der Gegend um St.Gallen gefahren und habe Aufnahmen meiner Arbeiten gemacht. Ich musste auch das nötige Material mitnehmen. Manchmal, schwer beladen, auch zu Fuss, habe ich sicher einen merkwürdigen Anblick geboten. 1983 habe ich Peter Liechti kennengelernt. […] Auch Emil Grubenmann und Stefan Rohner haben mir geholfen. In meiner Naivität meinte ich, Super-8-Filme werde ich das ganze Leben lang machen können. Ich wurde von der Videotechnik ‹überrollt›.» (Roman Signer)

Raum 2

Roman Signer, Aktion mit einer Zündschnur (1989), Bahnstrasse von Appenzell nach St.Gallen (CH), Super-8-Film, Kamera: Roman Signer, ©Roman Signer

Roman Signer, Aktion mit einer Zündschnur (1989), Bahnstrasse von Appenzell nach St.Gallen (CH), Super-8-Film, Kamera: Roman Signer, ©Roman Signer

Die Aktion mit einer Zündschnur (1989) markiert Roman Signers Wegzug aus Appenzell. Sinnbildlich für die Verlagerung des Lebens- und Arbeitsmittelpunktes, verlegte Signer für die Skulptur während 35 Tagen eine Zündschnur von Appenzell bis nach St.Gallen, 20,6 Kilometer entlang der Bahngleise. Die Zündschnur wurde mit Hilfe von Kupplungen miteinander verbunden und mit Schiesspulver versehen. An jeder der 260 Kupplungen löste das Feuer entlang der Zündschnur eine kleine Explosion aus, die in ihrer Gesamtheit einen Bewegungsbogen zwischen Start- und Zielpunkt markierten. Der Film besteht aus einer Aneinanderreihung von kurzen, zwei- bis dreisekündigen Filmsequenzen, in denen die Explosionen wie Lichtblitze sichtbar werden. Die bewegten Bilder flackern kurz auf und die Explosionen verschwinden so schnell im Schwarz der Nacht, wie sie erschienen sind. Am Tag sieht man blitzschnell die Landschaftsausschnitte, in denen die Zündungen stattgefunden haben, bevor die nächste Sequenz beginnt.

In diesem Raum wird der Blick auf Werke gerichtet, die ausserhalb von Appenzell entstanden sind. Neben Filmen und Videos, werden Filme von Aktionen vor Publikum gezeigt, die wichtige Momente im Schaffen von Roman Signer bilden. Anfang der 1990er Jahre begann Roman Signer die Videotechnik zu nutzen. Kamera und Schnitt übernahm Aleksandra Signer, Roman Signers Frau und künstlerische Weggefährtin. Tomek Rogowiec, Signers Assistent, stellt Konstellationen her, die manchmal für die Aufnahmen verwendet werden. So entstanden Werke wie Schwarzes Tuch (1994), 56 kleine Helikopter (2008), oder Heufieber (2006) in einer neuen Technik, die aber den selben Geist der Super-8-Filme vermitteln.

Der Einsatz der Film- und Videotechnik hat die Wahrnehmung der Ereignisse verändert, die Signer zuvor in Abgeschiedenheit durchgeführt hat. Seine prozessorientierte Arbeitsweise, die physikalischen Grundgesetze und das Vergängliche als Bestandteile seiner visuellen Sprache konnten durch die Aufnahmen eingefangen und festgehalten werden und erweiterten den Skulpturenbegriff vom Statischen hin zum Beweglichen. Dabei geht die Verwendung der Super-8-Filme und von Video über die Funktion des Dokumentierens hinaus, indem die Technik zum künstlerischen Material selbst und damit zum integralen Bestandteil der Wahrnehmung des Werkes wird. Durch das Drücken des Auslösers wird die Skulptur konzeptuell geformt. Signer gestaltet nicht allein durch seine künstlerische Hand, sondern durch seinen präzisen Plan, das Material, die Elemente, die Energie, die Naturgesetze und schliesslich die Kamera.

In Ballon unter Eis (1988) bläst Signer mit einem Schlauch einen grossen Ballon unter der Eisdecke eines zugefrorenen Sees auf, bis diese Risse bekommt, sich anhebt und schliesslich eine grosse Eisscholle herausbricht. Durch diese Öffnung springt der Ballon aus dem Wasser. Die Erwartung, dass die freigesetzte Energie in eine andere Form transformiert wird, ist präsent. Obwohl das Ereignis vorhersehbar ist, ist das Ergebnis überraschend. Der Zufall, der bei der Zerstörung des Eises mitspielt, und die Farbigkeit des Ballons, der unter dem Eis abstrakt und diffus erscheint und mit einem Schlag in leuchtendem Rot ins Bild tritt, lösen die Erwartung und den experimentellen Charakter in eine visuelle und poetische Erfahrung auf.

Für die Aktion vor der Orangerie (1987) an der Documenta 8 in Kassel, die von Peter Liechti dokumentiert wurde, ordnete Roman Signer 350 Papierstapel zu je 1000 Blatt in einer Reihe an. Diese 350’000 Papierblätter wurden durch Sprengladungen gleichzeitig in die Luft gejagt und bildeten während kurzer Zeit eine flatternde Papierwand von 15 Metern Höhe und 300 Metern Länge. Die Dimension des Ereignisses, die technische Umsetzung mit einem Sprengmeister und die Grösse der Veranstaltung markieren einen Unterschied zu den Skulpturen, die Signer in Abgeschiedenheit schuf. Das Erzeugen eines poetischen Moments durch die Verbindung von Material und Energie ist jedoch auch bei diesem vergänglichen Monument dieselbe.

Roman Signer, Heufieber (2006), St.Gallen (CH), Video, Kamera: Aleksandra Signer, ©Roman Signer

Roman Signer, Heufieber (2006), St.Gallen (CH), Video, Kamera: Aleksandra Signer, ©Roman Signer


Roman Signer, Schwarzes Tuch (1994), Rheintal (CH), Video, Kamera: Aleksandra Signer, ©Roman Signer

Roman Signer, Schwarzes Tuch (1994), Rheintal (CH), Video, Kamera: Aleksandra Signer, ©Roman Signer

Raum 3

Roman Signer, Installation Super-8-Filme und Gebärdensprache (2006), Aufnahme: Aufdi Aufdermauer / videocompany.ch, Schnitt: Aleksandra Signer, Gebärdensprache: Gabriela Spörri, Nr. 02 / 03 / 05 / 10 / 11 / 12 / 15 / 16 / 17 / 19, Kunsthaus Zug, Schenkung Peter und Christine Kamm Nr. 01 / 04 / 06 / 07 / 08 / 09 / 13 / 14 / 18 / 20, Collezione La Gaia, Busca (IT)

Roman Signer, Installation Super-8-Filme und Gebärdensprache (2006), Aufnahme: Aufdi Aufdermauer / videocompany.ch, Schnitt: Aleksandra Signer, Gebärdensprache: Gabriela Spörri,
Nr. 02 / 03 / 05 / 10 / 11 / 12 / 15 / 16 / 17 / 19, Kunsthaus Zug, Schenkung Peter und Christine Kamm
Nr. 01 / 04 / 06 / 07 / 08 / 09 / 13 / 14 / 18 / 20, Collezione La Gaia, Busca (IT)

Anlässlich des Seetaler Poesiesommers 2005 wurden auf dem Schloss Hallwyl Roman Signers Künstlertexte nicht wie zu erwarten dem Publikum vorgelesen, sondern seine Beschreibungen der Aktionen wurden von einer Gebärdensprachdolmetscherin übersetzt. Die Texte, die den Vorgang eines Ereignisses mit den Worten des Künstlers beschreiben, erhielten durch die Übersetzung eine neue visuelle Form mit bildhaftem Charakter und eröffneten so eine weitere Wahrnehmungsebene von Signers Werk.

Davon inspiriert liess Roman Signer 2006 die Dolmetscherin Gabriela Spörri bei der Übersetzung ausgewählter Aktionen auf Video aufnehmen und schuf die Installation Gebärdensprache (2006). Die Schwarzweissaufnahmen von Gestik und Mimik der Übersetzerin kombinierte der Künstler mit seinen Aktionen auf Super-8-Film. Es gibt zwei Versionen der Installation: Jeweils zwei auf dem Boden gestapelte Röhrenmonitore, die Ereignis und Übersetzung in Gebärdensprache vereinen, oder auf Flachbildschirmen als Hochformat mit Splitscreen. Erstmals sind alle 20 Videos, die sich heute in verschiedenen Sammlungen befinden, gemeinsam zu sehen. Die auf Super-8 gedrehten Aktionen des Künstlers sind Filme ohne Ton, die im Gegensatz zu den in Gebärdensprache übersetzten Texten nicht primär die Zugänglichkeit für Gehörlose herstellen, sondern vielmehr den Betrachtenden eine weitere Dimension des Sehens eröffnen.

In der Ziegelhütte

Roman Signer, Sandmusik (2008), St.Gallen (CH), Video, Kamera: Aleksandra Signer, ©Roman Signer

Roman Signer, Sandmusik (2008), St.Gallen (CH), Video, Kamera: Aleksandra Signer, ©Roman Signer

Wenn Sie die Ziegelhütte erkunden, finden Sie weitere Filme im Ziegelofen, in der Bibliothek, dem Offenen Raum, oder bei der Betontreppe. In der ‹Schlucht› hinter dem Ofen werden «Restenfilme» gezeigt, die Zusammenschnitte von ausgeschiedenem Filmmaterial, Versuchsanordnungen, Vorbereitungen von Aktionen, Reisedokumentation und andere Filmabschnitte zusammenbringen.

Bistro

In Weihnachtsbaum (1993) steht Roman Signer auf einer Brücke hoch über dem Fluss Sitter und wirft eine Tanne mit einer Metallspitze am Stammende wie einen Speer über die Brüstung. Der Baum fliegt in einem Bogen zu Boden und bohrt sich in die Erde, wo er unversehrt stehen bleibt, als wäre er schon immer dort gestanden. Signer arbeitet oft mit verschiedenen Bewegungsrichtungen, die er durch Schub und Schwerkraft auslöst und die die Form seiner Skulptur bestimmen.

Plattform

Schusslinie (1999) besteht aus zwei Monitoren, die sich auf Augenhöhe gegenüberstehen. Auf dem ersten Monitor ist der Künstler selbst zu sehen, wie er ein Gewehr in der Hand hält und zielt. Auf dem zweiten Monitor ist ein Luftballon zu sehen, der in einem genau kalkulierten Moment – ausgelöst durch den Schuss des Künstlers – zerplatzt. Die Spannung zwischen dem ruhigen, kontrollierten Moment des Abdrückens und dem plötzlichen Platzen des Ballons erzeugt eine absurde Atmosphäre zwischen Humor und Bedrohung.

Signer verbindet in dieser Arbeit seine charakteristische Auseinandersetzung mit Zeit, Energie und physikalischen Prozessen und thematisiert das Verhältnis von Ursache und Wirkung, von Aktion und Reaktion. Der Künstler selbst wird Teil des Geschehens, indem er den Schuss abgibt, der den Ballon zum Platzen bringt. Aber auch der Betrachter wird Teil der Installation, wenn er sich in die Schusslinie zwischen den Moni-toren begibt.

Skulpturen im öffentlichen Raum

In Appenzell, Gonten und der umgebenden Landschaft finden Sie Skulpturen von Roman Signer im öffentlichen Raum. Weitere Werke finden Sie vor dem Hotel Hof Weissbad, in der Lobby und im anliegenden Park.

www.kunstlandschaft.ch/karte

Wenn Sie Lust auf einen Signer Spaziergang entlang der Sitter haben (9 km, relativ flach), wählen Sie die Route 1

www.kunstlandschaft.ch/karte/route/1


Biografie

Roman Signers (*1938, Appenzell, lebt und arbeitet in St.Gallen) Einzelausstellungen waren u.a. im Kunsthaus Zürich (2025), bei Comme des Garçons on Tokyo, Osaka und London (2024), in der Malmö Konsthall (2023), im FRAC Franche-Comté in Besançon (2022), im Pingshan Art Museum in Shenzhen (2019), im Kunsthaus Zug (2019), im Kunstmuseum St.Gallen (2018), im Istituto Svizzero in Rom (2018), im MAN Museum in Nuoro (2016), im Middelheim Musuem in Antwerpen (2016), in der Barbican Curve in London (2015), im Centre d’art in Cherbourg-Octeville (2015), im Kunsthaus Zug (2015), im KINDL Zentrum für Zeitgenössische Kunst in Berlin (2014), im Kunstmuseum St.Gallen (2014), in der Kunsthalle Mainz (2012), in der HAB Gallery in Nantes (2012), in der Sala de Arte Publico Siqueiros in Mexiko-Stadt (2011), im Hamburger Bahnhof in Berlin (2007), im Istituto Svizzero di Centro Nazionale di Fotografia / Museo Diocesano in Padua (2007), im Aargauer Kunsthaus in Aarau (2006), im Centro Galego de Arte Contemporánea in Santiago de Compostela (2006), im Camden Art Centre in London (2001), im Bonnefantenmuseum in Maastricht (2000), im FRAC Poltou-Charentes in Angoulême (1993), im Kunstmuseum St.Gallen (1993), im Helmhaus Zürich (1992) sowie im Le Creux de l’Enfer in Thiers (1992).

Roman Signer hat an zahlreichen internationalen Kunstausstellungen teilgenommen, unter anderem an der documenta 8 in Kassel (1987), dem Yokohama Performance Art Festival (1987), den Skulpturen Projekten in Münster (1997), an der Biennale in Venedig (1999) und der Shanghai Biennale (2012). 1999 vertrat er die Schweiz an der Biennale von Venedig.

Impressum

KURATORINNEN
Stefanie Gschwend (Direktorin / director Kunstmuseum / Kunstmuseum Appenzell)

ORGANISATION 
Regina Brülisauer, Stefanie Gschwend, Luca Tarelli

AUSSTELLUNGSUMBAU
Christian Hörler, Christian Meier, Tomek Rogowiec, Ueli Alder, Bea Dörig, Raoul Doré, Flavio Hodel, Carina Kirsch, Elias Menzi, Luca Tarelli

KUNSTVERMITTLUNG
Domenika Chandra

BESUCHER*INNENBETREUUNG
Rita Dobler, Dominique Franke, Margrit Gmünder, Ian Groll, Priska Hüsler, Barbara Metzger, Heneisha Morris, Madleina Rutishauser, Luca Tarelli, Petra Zinth

HERAUSGEBER
Kunstmuseum / Kunsthalle Appenzell

TEXT 
Stefanie Gschwend

LEKTORAT & ÜBERSETZUNG
Carmen Ebneter, Stefanie Gschwend, Katja Naumann

GRAFIK
Data-Orbit / Michel Egger, St.Gallen

DANK
Caroline Achaintre, Elif Akinci, Cristian Andersen, Aufdi Aufdermauer, Andreas Brülisauer, Marianne Burki, Sebastian Bürkner, Giovanni Carmine, Nicole Cherubini, Martin Chramosta, Collezione la Gaia, Carmen D’Apollonio, Woody De Othello, Edmund de Waal, Robert Diament, Myriam Gebert, Clare Goodwin, Lena Guévry, Tom Gut, Matthias Haldemann, Cora Hansen, Michael Janssen, Christa Kamm, Matt Kirkum, Jannik Konle, Kunsthaus Zug, Stephan Kunz, Leo Lencés, Fabienne Loosli, Felicity Lunn, Georgia Lurie, Isa Melsheimer, Lindsey Mendick, Erica Miranda, Mai-Thu Perret, Sebastiano Portunato, Shahpour Pouyan, Paloma Proudfoot, Emma Robertson, Tomek Rogowiec, Kacper Rozicki, Alexis Sarfati, Aleksandra Signer, Barbara Signer, Roman Signer, Annette Stadler, Team Kunstmuseum / Kunsthalle, Seraina von Laer, Karin Wegmüller, Peter Zimmermann, allen Stiftungen für Ihre substantielle Unterstützung und Ihr Vertrauen.

Roman Signer
Filme
Kunsthalle
Roman Signer, Bogen (1978), Weissbad (AI, CH), Super-8-Film, Kamera: Roman Signer, ©Roman Signer

Roman Signer, Bogen (1978), Weissbad (AI, CH), Super-8-Film, Kamera: Roman Signer, ©Roman Signer


Roman Signer, Tisch mit Ballonen (1982), Weissbad (AI, CH), Super-8-Film, Kamera: Roman Signer, ©Roman Signer

Roman Signer, Tisch mit Ballonen (1982), Weissbad (AI, CH), Super-8-Film, Kamera: Roman Signer, ©Roman Signer

Roman Signer, Bürostuhl (2006), Weissbad (AI, CH), Video, Kamera: Tomasz Rogowiec, Schnitt: Aleksandra Signer ©Roman Signer, photo: Tomasz Rogowiec

Roman Signer, Bürostuhl (2006), Weissbad (AI, CH), Video, Kamera: Tomasz Rogowiec, Schnitt: Aleksandra Signer ©Roman Signer, photo: Tomasz Rogowiec


Regenschirme (2012), Mon voyage à Nantes HAB Galerie, Nantes (F), Kamera: Eric Watt, © Roman Signer

Regenschirme (2012), Mon voyage à Nantes HAB Galerie, Nantes (F), Kamera: Eric Watt, © Roman Signer


Roman Signer, Fensterladen mit Raketen (1992), Weissbad (AI, CH), Super-8-Film, Kamera: Roman Signer, ©Roman Signer, Photo: Stefan Rohner

Roman Signer, Fensterladen mit Raketen (1992), Weissbad (AI, CH), Super-8-Film, Kamera: Roman Signer, ©Roman Signer, Photo: Stefan Rohner

Roman Signer, Aktion mit einer Zündschnur (1989), Bahnstrasse von Appenzell nach St.Gallen (CH), Super-8-Film, Kamera: Roman Signer, ©Roman Signer

Roman Signer, Aktion mit einer Zündschnur (1989), Bahnstrasse von Appenzell nach St.Gallen (CH), Super-8-Film, Kamera: Roman Signer, ©Roman Signer

Roman Signer, Heufieber (2006), St.Gallen (CH), Video, Kamera: Aleksandra Signer, ©Roman Signer

Roman Signer, Heufieber (2006), St.Gallen (CH), Video, Kamera: Aleksandra Signer, ©Roman Signer


Roman Signer, Schwarzes Tuch (1994), Rheintal (CH), Video, Kamera: Aleksandra Signer, ©Roman Signer

Roman Signer, Schwarzes Tuch (1994), Rheintal (CH), Video, Kamera: Aleksandra Signer, ©Roman Signer

Roman Signer, Installation Super-8-Filme und Gebärdensprache (2006), Aufnahme: Aufdi Aufdermauer / videocompany.ch, Schnitt: Aleksandra Signer, Gebärdensprache: Gabriela Spörri, Nr. 02 / 03 / 05 / 10 / 11 / 12 / 15 / 16 / 17 / 19, Kunsthaus Zug, Schenkung Peter und Christine Kamm Nr. 01 / 04 / 06 / 07 / 08 / 09 / 13 / 14 / 18 / 20, Collezione La Gaia, Busca (IT)

Roman Signer, Installation Super-8-Filme und Gebärdensprache (2006), Aufnahme: Aufdi Aufdermauer / videocompany.ch, Schnitt: Aleksandra Signer, Gebärdensprache: Gabriela Spörri,
Nr. 02 / 03 / 05 / 10 / 11 / 12 / 15 / 16 / 17 / 19, Kunsthaus Zug, Schenkung Peter und Christine Kamm
Nr. 01 / 04 / 06 / 07 / 08 / 09 / 13 / 14 / 18 / 20, Collezione La Gaia, Busca (IT)

Roman Signer, Sandmusik (2008), St.Gallen (CH), Video, Kamera: Aleksandra Signer, ©Roman Signer

Roman Signer, Sandmusik (2008), St.Gallen (CH), Video, Kamera: Aleksandra Signer, ©Roman Signer

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