Die Ausstellung stellte erstmals in der Schweiz das Werk des Zeichners und Denkers Jonathan Bragdon vor. Bragdon, 1944 in Wilmington, Delaware (USA) geboren, lebt heute in Amsterdam. Seit den 1960er Jahren erforscht der Künstler in Graphitzeichnungen, Aquarellen, Gemälden, aber auch mit Gedichten, Texten und Kunstaktionen viele Schichten der menschlichen Weltwahrnehmung.
Bragdon beschäftigt sich seit mehr als fünf Jahrzehnten als Zeichner mit dem Thema „Landschaft“ – den äusseren und den inneren Landschaften, den „Landscapes“ und den „Consciousness Portraits“ (Bewusstseins-Porträts). Er gehört zu einer Reihe von Künstlern, denen es gelingt, mit den traditionellen Genres und Techniken Neues über unsere Welt und unser Weltverständnis zu formulieren.
Scheinbar in der Tradition amerikanischer „Draftsmen“ stehend, visualisiert Bragdon das weite Feld des „In-der-Welt-Seins“. Seit einigen Jahren werden die zeichnerischen „Protokolle“ von digitalen, mit dem Auge des Notebooks generierten „Selfies“ begleitet. Während die Bleistiftzeichnungen, seien es die Landschaften oder die Porträts, ästhetische Transformationen mit Werkcharakter sind, wirken die Fotografien spielerisch und witzig – und stellen doch die Frage, was ist „Dasein“ überhaupt, was stellt das dar?
Die eigens für das Kunstmuseum Appenzell zusammen mit Bragdon inszenierte Ausstellung zeigte mit über 120 Zeichnungen, Gemälden, Gedichten und Fotografien die künstlerische Haltung Bragdons – und den aktuellen Paradigmenwechsel in der Betrachtung von Natur, Selbst, Welt und Kunst. In zehn Kabinetten, in denen u.a. frühe Matrixarbeiten, aktuelle Appenzeller, Waadtländer, Berliner und Münchner Landschaften, Selbstbilder und „Spoken words“ zu entdecken waren, entfaltete sich ein Panorama unbändiger Seh- und Denklust.